Die Fitness Ernährung für Bodybuilding, Abnehmen oder zur Leistungssteigerung
Die Wortkonstruktion „Fitness Ernährung“ lässt bei vielen die Vermutung zu, dass man es hier mit einer neuen
Diät oder einem neuen Nahrungsergänzungsprodukt zu tun hat.
Ein alter Hut im neuen Gewand also?
Eher nicht...
Es handelt sich hier um einen neuen Hut in einem alten Gewand.
Fitness Ernährung ist Ernährung auf den Punkt gebracht.
Und dennoch stellt sich fast jeder "Fitnesssportler" etwas anderes darunter vor. Beispiele gefällig?
- Bodybuilder meinen zum Beispiel Muskelaufbau, bzw. Masseaufbau.
- Andere Sportler meinen eine Sportlernahrung, die Ihre Leistung steigert.
- Menschen die Abnehmen wollen (um "fitter" zu werden), meinen eine Ernährung, die Ihnen hilft
abzunehmen.
- Und wieder andere meinen bei einer Fitness-Ernährung geht es "nur" um die Einnahme von irgendwelchen
Nahrungsergänzungsmitteln...
Also: Du musst folgendes Essen... - Das hat bei mir gut funktioniert!
Sicherlich kennen Sie solche
Wenden wir uns einmal der "klassischen Ernährunglehre" zu.
(Von der ich persönlich nicht allzu viel halte - aber das ist ein anderes Thema...)
Also: Aus der Ernährungswissenschaft und den verwandten wissenschaftlichen Gebieten wissen wir, dass der
Stoffwechsel des Menschen (und der der meisten Säugetiere) aus drei Komponenten besteht:
- dem Fettstoffwechsel,
- dem Kohlenhydratstoffwechsel und dem
- Eiweißstoffwechsel.
Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel sind primär für die Energiezufuhr, bzw. die Energiegewinnung verantwortlich.
Der Eiweißstoffwechsel „zerlegt“ die Proteine (= Eiweiße) in deren Bestandteile, die Aminosäuren. Diese stehen dann
dem Organismus für die so genannte Proteinbiosynthese zur Verfügung. Darunter wird der Aufbau von körpereigenen
Proteinen in den Zellen des Organismus verstanden. Für die Energiegewinnung spielen die Proteine und deren
Verwertung eine eher untergeordnete Rolle.
Wenn unsere Ernährung hauptsächlich aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen besteht, dann erhebt sich die Frage,
in welchem Verhältnis diese drei Komponenten aufgenommen werden sollen, damit der Organismus optimal versorgt
wird?
Die Ernährungswissenschaft rät uns, ca. 50 Prozent Kohlenhydrate, 30 Prozent Fette und 20 Prozent
Eiweiße zu verzehren.
Eine zu kohlenhydratlastige Ernährung birgt die Gefahr, dass unverbrauchte Kohlenhydrate zu Fetten umgebaut und
in das Fettgewebe deponiert werden. Das Endprodukt sind die unerwünschten „Rettungsringe“ im Bauch- und
Hüftbereich. Ein Überschuss an Fetten birgt auch immer die Gefahr einer langfristigen Insulinresistenz, die in
einem Typ 2 Diabetes mellitus enden kann. Dies tritt besonders häufig auf bei Übergewichtigen, die kaum körperliche
Bewegung haben, damit also kaum Energie verbrennen.
Die Fitness Ernährung dagegen ist ein modifiziertes Ernährungskonzept für Leute, die viel "Bewegung"
haben, und die viel Energie verbrennen.
Gemeint sind fast immer Leistungssportler, bei denen die richtige Energiezufuhr zum richtigen Zeitpunkt von
wesentlicher Bedeutung ist. So ist für viele Sportler und deren Leistungsfähigkeit die Ernährung, neben Training
und Schlaf, die dritte Komponente für den sportlichen Erfolg. Für viele Sportler ist es wichtig, ein bestimmtes
Wettkampfgewicht zu halten und sich nach der sportlichen Belastung schnell wieder zu erholen. Je nach "Experte" den
man befragt, macht die Ernährung für die zu erbringende Leistung ca. 20 Prozent aus. Wenn man sich vorwiegend von
fast food etc. ernährt, kann die Bedeutung aber wesentlich steigen.
Die Sache mit dem Abnehmen
Obwohl die Fitness Ernährung keine Abnehm-Diät im eigentlichen Sinne ist, gibt es gewisse Parallelen. Abnehmen
bedeutet keineswegs hungern.
In Sportlerkreisen denken aber bis zu ca. 80 Prozent in diesen "Hunger-Kategorien" und ca. 30 Prozent essen in
der Tat zu wenig. Ein "Geheimnis" der Gewichtsbeeinflussung kann deshalb die oben erwähnte Relation von
Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten sein.
Für wesentlich interessanter als dieses "Verhältniss" halte ich aber den jeweiligen Stoffwechseltyp des
Sportlers. Inzwischen weiß man, das verschiedene Personen verschieden effizient die aufgenommenen Nährstoffe
verwerten können. Der Grund für diese interindividuellen Unterschiede liegt wohl in der Genetik.
Statt eines Plans zum Abnehmen, zum Muskelaufbau etc. stelle ich einfach mal die verschiedenen Körpertypen
vor.
Die verschiedenen Körpertypen nach Kretschmer und deren Bedeutung für eine
"Fitness-Ernährung"
Vielleicht haben Sie von diesen "Körpertypen" oder Stoffwechseltypen schon einmal gehört.
Prinzipiell lassen sich drei Stoffwechseltypen unterscheiden: der endomorphe, mesomorphe und ektomorphe Typ.
Diese Typologie wurde im ersten Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts von dem deutschen Psychologen Ernst
Kretschmer entwickelt. Dieser beobachtete seine Patienten und teilte diese in die drei eben genannten
Charaktertypen ein. Für jeden dieser Typen beschrieb er typische Eigenschaften.
Diese Typologie nach Kretschmer hat man später über den Bereich der Psychologie hinaus erweitert und
Zusammenhänge im Bereich der Ernährung gefunden, die ich aus Erfahrung bestätigen kann.
Die meisten Menschen sind aber Mischtypen und nicht eindeutig einem Typ
zuzuordenen. Endomorph:
Der Körperbau eines endomorphen Typs zeigt eine weiche Muskulatur, kurze Arme und Beine, ein rundes Gesicht mit
kurzem Hals, eine glatte und weiche Haut, breite Hüften, ausgeprägte Fettaufspeicherung und viele dünne Haare.
Der endomorphe Typ zeichnet sich dadurch aus, dass er relativ schnell zunimmt, denn seine Kohlenhydratverwertung
ist weniger effizient als die des Ektomorphen. Die Gewichtszunahme macht sich zumeist als erstes an den Hüften
bemerkbar. Ein weiteres typisches Zeichen ist ein bald wieder einsetzender Hunger nach kohlenhydratreichen
Mahlzeiten. Dieser Typ ist besser beraten, weniger Kohlenhydrate zu konsumieren, sondern stattdessen mehr auf
Eiweiß und ungesättigte Fette zurückzugreifen. Ein zu hoher Kohlenhydratanteil in seiner Kost bewirkt langfristig
eine erhöhte Insulinausschüttung, die wiederum zum Aufbau von Fettgewebe führt, was die Grundlage für die
Ausbildung eines Typ 2 Diabetes werden kann.
Ektomorph
Der Körperbau des ektomorphen Typs zeigt einen kurzen Oberkörper mit langen Armen und Beinen, schmalen Füßen und
Händen, wenig bis keiner Fettspeicherung, einen kleinen Brustkorb mit schmalen Schultern und meist langen, dünnen
Muskeln.
Der ektomorphe Typ nimmt weniger schnell zu. Er kann große Mengen Kohlenhydrate verzehren und verspürt erst sehr
viel später wieder Hunger. Dieser Typ ist prädestiniert für eine Kost mit deutlich mehr Kohlenhydraten und weniger
Eiweißen. Aufgrund des schnelleren Stoffwechsels brauchen diese Personen zum Muskelaufbau regelmäßige Mahlzeiten,
ca. fünf Mahlzeiten pro Tag.
Mesomorph
Der mesomorphe Typ ist eine Mischform von ektomorphem und endomorphem Typ. Dieser wird oft auch als "Athletiker"
beschrieben. Er nimmt weniger schnell zu als der endomorphe Typ, aber schneller als der ektomorphe. Seine
Regeneration ist ebenfalls besser als die des Ektomorphen. Die Ernährung bei diesem Typ sollte Kohlenhydrate
und Eiweiße in einem ausgeglichenen Verhältnis enthalten.
Der Körperbau des mesomorphen Typs zeigt eine Neigung zur Muskulösität. Der Körper zeigt eine V-Form, bei Frauen
eine Sanduhrform. Sie haben meist eine feste Haut, markante Wangenknochen. Die Fetteinlagerungen erfolgen
zumeist nur an Bauch und Hüften. Sie haben ferner größere Hände und Füße, einen langen Oberkörper mit einer
kräftigen Muskulatur und besitzen realtiv große Körperkraft.
Ein Fitness-Ernährungsplan kann sich so erst einmal nach dem Ziel des Sportlers UND dem entsprechenden
Konstitutionstyp richten, damit die Nahrungsmittel effizient genutzt und in Energie transformiert werden
können.
Die bislang immer noch postulierte These, dass Kohlenhydrate die besten Energielieferanten seien, geht
zumindest für die endomorphen und teilweise auch für die mesomorphen Typen an der Realität etwas vorbei.
Wasser - der vergessene Faktor
Ein wichtiger Aspekt für die Fitness Ernährung ist, so profan es klingen mag, der Wasserkonsum pro Tag. Bei
sportlicher Betätigung im Sommer verliert der Körper in einer Stunde mehr als einen Liter Flüssigkeit.
Von daher sollte der Sportler für jede Stunde Training einen Liter Wasser konsumieren. Ein Leistungssportler
trinkt oft mehr als fünf Liter pro Tag. Dies stellt eine weitere Parallele zur Abnehm-Diät dar, wo ein
überdurchschnittlicher Wasserkonsum entscheidend ist.
Eine gute Formel zur Berechnung ist: 25 bis 30ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag.
Fitness Ernährung in welchen Relationen?
Der Ernährungswissenschaftler Prinzhausen stellte eine Basisernährung für Sportler auf, die 20 Prozent Eiweiß,
30 Prozent Kohlenhydrat und 30 Prozent Fett vorsah. Die fehlenden 20 Prozent sollen bzw. können von Fetten oder
Kohlenhydraten ergänzt werden in Abhängigkeit vom Stoffwechseltyp und von der ausgeübten Sportart.
Diese Klassifizierung und die darauf folgende Identifizierung der optimalen Mahlzeiten in Abhängigkeit vom
Stoffwechseltyp ist mit einer guten Portion Mehraufwand verbunden.
Für den "Otto-Normal-Fitnesssportler" wird diese Alternative oft schon aus Zeitgründen nicht in Frage
kommen.
Für die "Amateur-Leistungssportler" kann eine auch nur teilweise Veränderung der Ernährungsgewohnheiten
eine Steigerung der Leistung und Verbesserung der sportlichen Resultate bedeuten. Und wenn es nur die Hälfte
der 20 Prozent der Profis ist...
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