Der Begriff der Schnelligkeit in der Sportwissenschaft

René Gräber

Die Sportwissenschaften definieren den Begriff der Schnelligkeit anhand mehrerer Bestimmungsgründe. Diese Eigenschaften der sportlichen Aktion und des Sportlers selber setzten sich zusammen aus biologischen, physikalischen und psychologischen Faktoren. In der physikalischen Betrachtung geht es hier zunächst um Geschwindigkeit, also die pro Zeit zurückgelegte Wegstrecke, ausgedrückt beispielsweise in der Einheit „Stundenkilometer“ (Weg/Zeit in km/h). Ein weiterer entscheidender Messwert ist die Beschleunigung, das ist die Änderung der Geschwindigkeit pro Zeit. Allgemein reden wir hier von mathematisch positiven Werten, also der Geschwindigkeitszunahme im Zeitablauf und über der Wegstrecke (Geschwindigkeit1 – Geschwindigkeit2/Zeit1 – Zeit2 in m/s2). Grundlegend für diese Aktionen ist die Kraft, die sich aus Masse mal Beschleunigung ergibt. Die physikalische Einheit der Kraft ist 1 Newton (kg•m•s-2).

Physiologisch gesehen sind es die konditionellen oder energetischen Fähigkeiten, die auch als Kraft und Ausdauer bezeichnet werden können. Die motorische Kraft der Muskeln bestimmt die Fähigkeiten der körperlichen Geschwindigkeit und Beschleunigung. Dies bezieht sich nicht nur auf die Schnelligkeit und Beschleunigung des Körpers selber, sondern auch auf die maximale Bewegungsgeschwindigkeit von Sportgeräten (Speerwerfen). Unterschieden werden auch zyklische Aktionen mit einer bestimmten Frequenz (Laufen) und azyklische Bewegungen (Torschuss). Die entscheidenden Eigenschaften der Muskeln hierzu sind der Muskelquerschnitt, dessen Kontraktions-Geschwindigkeit und die Hebelverhältnisse der Skelett-Konstruktion. Auch die Zusammensetzung des Muskels ist wichtig, also das Verhältnis aus schnellen und langsamen Fasern. Die langsamen oder tonischen Fasern (Typ I oder ST-Fasern (slow twitch)) sind eher für die Ausdauer zuständig, während die schnellen oder phasischen Fasern (Typ II oder FT-Fasern (fast twitch)) kurze und sehr kräftige Aktionen bewerkstelligen. Die FT-Fasern unterscheiden sich in ermüdungsresistente (Typ IIa) und schnell ermüdende (Typ IIb) Fasern.

Die koordinativen oder informationellen Fähigkeiten zeigen sich im aufeinander abgestimmten Zusammenspiel der Muskeln. Ausgehend von der Signal-Entstehung im Zentral-Nerven-System wird der Reiz bis zur motorischen Endplatte des Muskels geleitet, wo die Umsetzung zur Muskel-Aktion erfolgt. Entscheidend wirken hier die Leitungsgeschwindigkeit der Neuronen und die intramuskuläre Koordination. Die Schnelligkeit dieser Prozesse bedingt die Frequenzierung der Muskel-Kontraktion bei zyklischen Aktionen. Die Abstimmung der Tätigkeit der Muskeln untereinander wird intermuskuläre Koordination oder Synchronisation genannt. Wichtig ist hier nicht nur die Aktivierung eines Muskels zum richtigen Zeitpunkt, sondern auch die Hemmung seines Gegenspielers (Beuger – Strecker, Agonist – Antagonist). Da diese Prozesse im Gehirn ihren Ausgang nehmen, spielen Motivation und Konzentration eine erhebliche Rolle. Viele der willkürlich gesteuerten sportlichen Bewegungen sind Reaktionen auf Umweltreize (Ballspiel). Daher sind die Reizwahrnehmung am Rezeptor (Auge, Ohr) und die Reizleitungsgeschwindigkeit zum ZNS entscheidende Faktoren einer reaktiven Antwort. Zur Befehls-Generierung ist auch eine schnelle Reizverarbeitung wichtig, die eine entsprechende Antizipations-Fähigkeit des Gehirns voraussetzt (bewusste Reizaufnahme). Diese Vorgänge liegen jeder Reaktion zugrunde und betragen in Abhängigkeit vom Rezeptor zwischen 0,1 und 0,5 Sekunden. Am schnellsten sind Reaktionen der Reflex-Aktivität, weil die Bewegungsmuster aus dem Reflex-Bogen des Rückenmarks resultieren (Lidschluss).

Alle Eigenschaften der Schnelligkeit sind abhängig vom Alter, der Konstitution und damit genetischer Faktoren wie auch dem Geschlecht. So kann beispielsweise die Reizleitungsgeschwindigkeit der Nerven nicht beeinflusst werden, doch Koordination, Muskelkraft und Kondition verbessern sich durch sportliches Training sehr wohl. Beim Schnelligkeits-Training gelten Grundsätze, die jeder professionelle Trainer beherzigt. Beginnen sollte das Programm erst nach lockeren Aufwärmübungen. Dies ist wichtig, weil maximale Kraft-Intensitäten erforderlich sind. Daher muss der Sportler auch eine optimale Motivation mitbringen und er sollte die Übungen bestmöglich beherrschen. All das ist wichtig, um den Erfolg zu gewährleisten und Verletzungen zu vermeiden.

Die Bewegungsschnelligkeit wird mit zyklischen und azyklischen Übungen trainiert. Bewährt haben sich Kurzsprints und Koordinations-Einheiten wie supramaximale Läufe bergab bei Zugunterstützung. Überdistanz- und Widerstandsläufe trainieren speziell die Schnelligkeits-Kondition. Die Beschleunigungsschnelligkeit beschränkt sich auf azyklische Aktionen. In Frage kommen hier Übungen der Sprungkraft und Startproben. Für die Steigerung der Reaktionsschnelligkeit werden bestimmte Spiel-Situationen gestellt und wiederholt.

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