Eine Schlagzeile macht derzeit die Runde: Drei Teilnehmer eines Longevity-Wettbewerbs hätten ihr biologisches Alter zusammen um mehr als 62 Jahre gesenkt. Einer von ihnen kam rechnerisch sogar auf ein biologisches Alter von sechs Monaten. Das klingt nach medizinischer Sensation. Tatsächlich zeigt die Geschichte vor allem, wie leicht sich ein statistischer Risikowert in eine Verjüngungserzählung verwandeln lässt.

Das biologische Alter ist keine Zahl, die irgendwo im Körper auf einem verborgenen Zähler steht. Es ist das Ergebnis eines Rechenmodells. Und jedes Rechenmodell sieht nur das, wofür es gebaut wurde.

Aus drei Ergebnissen werden 62 Jahre Verjüngung

Im Januar 2026 wurden die ersten Sieger des sogenannten Longevity World Cup bekanntgegeben. Die drei Erstplatzierten erzielten folgende Werte:

  • Michael Lustgarten war am Ende des Wettbewerbs 53 Jahre alt. Sein errechnetes PhenoAge lag 22,1 Jahre darunter.
  • Zdeněk Šípek erreichte eine Differenz von 20,6 Jahren. Aus 46,4 Lebensjahren wurden rechnerisch 25,8 biologische Jahre.
  • Wen Zhuang war 20,6 Jahre alt und kam auf ein PhenoAge von 0,5 Jahren. Die Differenz betrug 20,1 Jahre.

Addiert man diese drei Abweichungen, ergeben sich 62,8 Jahre. Genau daraus entstand die Schlagzeile, die Teilnehmer hätten ihr biologisches Alter um 62 Jahre gesenkt.

Kein Einzelner wurde 62 Jahre jünger. Und auch die drei Teilnehmer zusammen haben keine 62 Lebensjahre zurückgewonnen. Drei statistische Differenzen wurden addiert und anschließend wie eine medizinische Leistung präsentiert.

Spätestens beim biologischen Alter von sechs Monaten müsste die Sprache wieder zur Vernunft kommen. Ein erwachsener Mann mit ausgebildetem Immunsystem, geschlechtsreifem Organismus und voll entwickeltem Bewegungsapparat ist kein Säugling. Er besitzt lediglich eine Kombination bestimmter Blutwerte, die vom verwendeten Algorithmus extrem günstig bewertet wird.

Was PhenoAge tatsächlich misst

Der Wettbewerb verwendete PhenoAge. Dieses Verfahren wurde von Morgan Levine und Kollegen entwickelt. In die Berechnung gehen das kalendarische Alter und neun Laborwerte ein:

  • Albumin
  • Kreatinin
  • Glukose
  • C-reaktives Protein (CRP)
  • Lymphozytenanteil
  • mittleres Erythrozytenvolumen (MCV)
  • Erythrozytenverteilungsbreite (RDW)
  • alkalische Phosphatase
  • Zahl der weißen Blutkörperchen

Diese Werte wurden ursprünglich aus einem größeren Laborpanel ausgewählt, weil ihre Kombination in großen amerikanischen Bevölkerungsdaten das Erkrankungs- und Sterberisiko gut vorhersagte. Anschließend wurde das errechnete Risiko wieder in eine Alterszahl übersetzt.

PhenoAge misst folglich kein Alter im wörtlichen Sinn. Das Verfahren beantwortet eher diese Frage:

Welchem durchschnittlichen Lebensalter entspricht das statistische Sterberisiko, das sich aus dieser Kombination von Blutwerten und Geburtsalter ergibt?

Das ist ein erheblicher Unterschied. Ein niedriger PhenoAge-Wert kann auf eine günstige Stoffwechsel-, Entzündungs-, Nieren- und Blutsituation hinweisen. Er beweist keine Rückverwandlung von Geweben und Organen in einen früheren Lebenszustand.

Selbst das kalendarische Alter steckt in der Formel. Wer behauptet, hier werde ein vollständig unabhängiges biologisches Alter gemessen, beschreibt das Verfahren bereits ungenau.

Ein brauchbarer Risikomarker ist noch keine Lebensuhr

Damit will ich PhenoAge keineswegs als wertlos abtun. Die enthaltenen Laborwerte sind medizinisch relevant. Chronisch erhöhte Glukosewerte, Entzündungsaktivität, Veränderungen des roten Blutbildes oder eine eingeschränkte Nierenfunktion verdienen Beachtung. Der zusammengesetzte Wert sagte in mehreren Kohorten Morbidität und Mortalität besser voraus als das Geburtsalter allein.

Genau hier liegt sein vernünftiger Einsatzbereich: PhenoAge kann eine verdichtete Momentaufnahme liefern. Der Wert kann auf Risiken aufmerksam machen und längerfristige Entwicklungen sichtbar machen, sofern Laborbedingungen und Messzeitpunkte vergleichbar sind.

Aus einer statistischen Vorhersage folgt allerdings noch kein therapeutischer Wirksamkeitsnachweis. Wenn sich ein Risikoscore um zehn Jahre verbessert, ist damit weder eine zehnjährige Lebensverlängerung bewiesen noch eine Verjüngung sämtlicher Organe. Dafür bräuchte es belastbare Endpunkte: weniger Erkrankungen, erhaltene körperliche und geistige Funktionen, geringere Gebrechlichkeit und letztlich eine längere gesunde Lebenszeit.

Ein Tachometer ist ein gutes Messinstrument. Er beweist trotzdem nicht, dass das Auto sein Ziel erreicht. Bei den Altersuhren wird dieser Unterschied gern überfahren.

Vom Messwert zum Computerspiel

Der Longevity World Cup macht aus biologischen Alterswerten einen Wettbewerb. Das mag Menschen zu einer gesünderen Lebensweise motivieren. Die Spielregeln erzeugen allerdings einen fundamentalen methodischen Fehler: Gewonnen wird nicht zwingend von dem Teilnehmer, der am gesündesten altert. Gewonnen wird von dem Teilnehmer, der den niedrigsten Wert im gewählten Modell erzeugt.

1. Belohnt wird der beste Einzelwert

Nach dem Regelwerk dürfen Teilnehmer beliebig viele Ergebnisse einreichen. Für die Rangliste zählt der niedrigste jemals erreichte PhenoAge-Wert.

Wer häufig genug misst, erhöht allein dadurch seine Chance auf einen außergewöhnlich günstigen Ausreißer. Michael Lustgarten berichtete von mehr als 70 Blutuntersuchungen innerhalb eines Jahrzehnts und teils Tausenden Einzelmessungen. Diese Sorgfalt liefert interessante Verlaufsdaten. In einem Wettbewerb verschafft sie zugleich mehr Gelegenheiten, den günstigsten Messzeitpunkt zu erwischen.

Das Problem ist aus Statistik und Diagnostik bestens bekannt. Sucht man lange genug nach dem besten Wert, findet man irgendwann einen. Ob dieser Wert den gewöhnlichen Gesundheitszustand repräsentiert, steht auf einem anderen Blatt.

2. Verschiedene Labore bleiben erlaubt

Der Wettbewerb akzeptiert Ergebnisse unterschiedlicher Labore. Doch Messmethoden, Nachweisgrenzen, Probenverarbeitung und Referenzbereiche können voneinander abweichen. Schon Tageszeit, Nüchternstatus, Flüssigkeitszufuhr, Infekte, Trainingsbelastung und die Zeit zwischen Sport und Blutabnahme verändern einzelne Parameter.

Für eine private Verlaufskontrolle würde ich deshalb möglichst dasselbe Labor, dieselbe Tageszeit und vergleichbare Bedingungen wählen. Ein internationaler Wettbewerb, der Unterschiede von wenigen biologischen Jahren bewertet, müsste bei der Standardisierung noch strenger sein.

3. Der Algorithmus lässt sich gezielt optimieren

Sobald die Formel bekannt ist, kann ein Teilnehmer genau jene Werte beeinflussen, die Punkte bringen. Andere Gesundheitsbereiche bleiben für die Rangliste unsichtbar. Ein hervorragender Blutscore sagt wenig über Muskelkraft, Gleichgewicht, Knochendichte, Gefäßbefunde, Schlafqualität, Immunreserve, Schmerzen oder geistige Leistungsfähigkeit.

Hier greift das nach dem Ökonomen Charles Goodhart benannte Prinzip: Wird eine Messgröße zum Ziel, verliert sie ihre Qualität als Messgröße.

Der Mensch optimiert dann nicht mehr seine Gesundheit, sondern den Ausschnitt, den der Algorithmus sehen kann.

4. Selbst die Veranstalter mussten die Formel korrigieren

Das Regelwerk räumt einen besonders aufschlussreichen Punkt ein. Die ursprüngliche PhenoAge-Berechnung kann extrem niedrige Werte der alkalischen Phosphatase oder der RDW belohnen, obwohl reale Mortalitätsdaten bei solchen Laborwerten U- oder J-förmige Risikokurven zeigen. Sehr niedrig ist damit keineswegs automatisch sehr gesund.

Die Veranstalter führten deshalb eigene Grenzwerte ein. Diese Korrektur ist nachvollziehbar. Sie zeigt zugleich, wie riskant die wörtliche Auslegung des Scores ist. Verwendet wird inzwischen keine unangetastete, in genau dieser Form validierte PhenoAge-Berechnung mehr, sondern eine für den Wettbewerb modifizierte Variante.

5. Es fehlen die entscheidenden Endpunkte

Der Wettbewerb misst weder Lebensdauer noch die Zahl späterer Erkrankungen. Er prüft auch nicht, ob ein Teilnehmer in zehn oder zwanzig Jahren körperlich leistungsfähiger, geistig klarer oder seltener behandlungsbedürftig ist.

Er prämiert die erfolgreiche Veränderung einer Formel. Das darf man unterhaltsam finden. Medizinisch sollte man es auch genau so benennen.

Epigenetische Uhren: ein anderes Verfahren mit ähnlichem Deutungsproblem

PhenoAge aus klinischen Blutwerten wird häufig mit epigenetischen Altersuhren in einen Topf geworfen. Das sind jedoch unterschiedliche Verfahren.

Epigenetische Uhren untersuchen chemische Markierungen an der DNA, vor allem sogenannte Methylierungen. Bestimmte Muster verändern sich im Laufe des Lebens. Algorithmen wie Horvath, Hannum, GrimAge oder DunedinPACE versuchen daraus das biologische Alter oder die Geschwindigkeit des Alterns abzuleiten.

Auch diese Verfahren können Erkrankungsrisiken und spätere Funktionseinbußen vorhersagen. Einige erreichen eine beachtliche Test-Retest-Stabilität. Trotzdem messen sie nicht alle dasselbe. Manche wurden darauf trainiert, das kalendarische Alter möglichst genau zu schätzen. Andere sollen Mortalität, Krankheitsrisiken oder die Geschwindigkeit altersabhängiger Veränderungen abbilden. Blut, Muskel, Speichel und andere Gewebe können zudem unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Es gibt deshalb nicht die epigenetische Uhr. Es gibt verschiedene Modelle mit verschiedenen Trainingsdaten, biologischen Schwerpunkten und Fehlerquellen.

Wenn HIIT älter und ein NAD-Booster jünger macht

Wie weit die Ergebnisse auseinanderlaufen können, zeigt eine im Juli 2026 veröffentlichte Arbeit in der Fachzeitschrift Aging Cell. Die Forscher werteten Proben aus drei bereits zuvor durchgeführten Studien erneut aus:

  • In einer Studie wurde fünf Monate lang täglich 1.000 Milligramm Nicotinamid-Ribosid (NR) gegeben. NR ist eine Vitamin-B3-Verbindung und Vorstufe von NAD+.
  • In zwei weiteren Studien absolvierten die Teilnehmer vier beziehungsweise sechs Wochen hochintensives Intervalltraining auf dem Fahrradergometer, jeweils dreimal pro Woche.
  • Die Forscher berechneten anschließend mit sieben epigenetischen Uhren Veränderungen im Muskelgewebe.

Unter Nicotinamid-Ribosid zeigten einige Uhren eine Abnahme der epigenetischen Altersbeschleunigung. Das betraf unter anderem PCHannum, die muskelspezifische MEAT-Uhr und DunedinPACE. Nach dem HIIT bewegten sich manche Ergebnisse in die entgegengesetzte Richtung. DunedinPACE deutete im Muskel sogar auf ein erhöhtes Alterungstempo hin.

Wer nur auf die Alterszahl blickt, könnte daraus folgern: Die Kapsel verjüngt, das Training lässt schneller altern.

Diese Schlussfolgerung wäre abenteuerlich.

Erstens wurden NR und HIIT in verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Teilnehmern untersucht. Es handelte sich nicht um einen eigens geplanten direkten Vergleich der beiden Maßnahmen. Zweitens waren die Interventionen unterschiedlich lang. Drittens wurden molekulare Surrogatmarker ausgewertet, keine Herzinfarkte, Demenzerkrankungen, Pflegebedürftigkeit oder Lebensjahre. Viertens reagierten die sieben Uhren keineswegs einheitlich.

Der scheinbar ungünstige HIIT-Wert könnte akuten Zellstress, Entzündung, Zellumsatz oder erwünschte Umbauprozesse des trainierten Muskels widerspiegeln. Muskeltraining setzt Belastungsreize. Es entstehen Reparatur- und Anpassungsvorgänge, die Mitochondrien, Enzymaktivität, Kapillarisierung und Genregulation verändern. Ein Algorithmus kann solche Veränderungen als „älter“ einstufen, obwohl der Muskel anschließend leistungsfähiger ist.

Das ist eine plausible Erklärung, noch kein Beweis. Sie zeigt allerdings das Kernproblem: Eine Altersuhr erkennt ein molekulares Muster. Ob dieses Muster Ursache, Begleiterscheinung, Anpassung oder vorübergehende Reaktion ist, muss gesondert geklärt werden.

Die Autoren selbst fordern weitere Untersuchungen. Aus dieser Arbeit lässt sich weder ableiten, dass HIIT das Altern beschleunigt, noch dass 1.000 Milligramm Nicotinamid-Ribosid täglich das menschliche Leben verlängern. Sie liefert ein interessantes biologisches Signal. Mehr vorerst nicht.

Wenn Uhr und Organismus widersprechen

Stellen wir uns einen Menschen vor, dessen epigenetischer Score nach einem Trainingsprogramm ungünstiger ausfällt. Gleichzeitig steigt seine maximale Sauerstoffaufnahme, der Blutdruck sinkt, die Insulinempfindlichkeit verbessert sich und er bewältigt den Alltag wieder ohne Atemnot.

Ist dieser Mensch biologisch älter geworden?

Ein Modell kann diese Frage nicht allein entscheiden. In der Medizin braucht es eine Hierarchie der Belege. Ganz oben stehen Ergebnisse, die für den Menschen tatsächlich zählen:

  • längere gesunde Lebenszeit
  • geringere Erkrankungs- und Sterberaten
  • erhaltene Muskelkraft und Ausdauer
  • Beweglichkeit, Gleichgewicht und Sturzsicherheit
  • gute geistige Leistungsfähigkeit
  • Selbstständigkeit im Alltag
  • Lebensqualität

Darunter stehen klinische Befunde und gut etablierte Risikofaktoren. Es folgen zusammengesetzte Scores und molekulare Ersatzmarker. Je weiter wir uns vom spürbaren und klinisch relevanten Ergebnis entfernen, desto vorsichtiger muss die Sprache werden.

Ein Surrogatmarker kann Forschung beschleunigen. Er kann sie ebenso in die Irre führen, wenn seine Veränderung automatisch mit einem gesundheitlichen Nutzen gleichgesetzt wird.

Der naturheilkundliche Blick auf das Altern

In der Naturheilkunde begegnet mir seit Jahrzehnten ein anderer Fehler: Der Mensch wird auf einen einzelnen Laborwert, ein Organ oder eine angebliche Wundertherapie reduziert. Die Longevity-Szene digitalisiert dieses alte Problem lediglich. An die Stelle des einen Cholesterinwertes tritt nun ein auf zwei Nachkommastellen berechnetes biologisches Alter.

Gesundes Altern bleibt ein Geschehen des gesamten Organismus. Entscheidend sind unter anderem Stoffwechselregulation, Entzündungsneigung, Gefäßgesundheit, Leber- und Nierenfunktion, Muskelmasse, Beweglichkeit, Schlaf, Darmfunktion, Vitalstoffversorgung, psychische Stabilität und soziale Einbindung. Diese Systeme beeinflussen sich gegenseitig.

Auch Heilfasten, Bewegung, vernünftige Ernährung, Tageslicht, Schlaf und eine gezielte Behandlung tatsächlicher Störungen wirken nicht auf eine einzelne Altersuhr. Sie verändern Regulationskreise. Genau darin liegt ihre Stärke.

Das bedeutet keineswegs, dass jede naturheilkundliche Maßnahme automatisch sinnvoll wäre. Auch hier gelten saubere Diagnostik, plausible Wirkmechanismen, klinische Beobachtung und eine kritische Prüfung der Studienlage. Ein exotisches Präparat wird nicht dadurch zur Verjüngungstherapie, dass ein Laboralgorithmus nach einigen Wochen eine kleinere Zahl ausgibt.

Ausführlicher habe ich die biologischen Grundlagen und verschiedene Ansätze in meinem Beitrag über Anti-Aging und gesundes Altern dargestellt.

Wie man biologische Alterswerte sinnvoll nutzen kann

Wer PhenoAge oder eine epigenetische Uhr verwenden möchte, sollte einige Regeln beachten:

Messbedingungen vereinheitlichen

Blutentnahmen sollten möglichst im selben Labor, zur gleichen Tageszeit und unter vergleichbaren Bedingungen erfolgen. Nüchternstatus, Infekte, Medikamente, Flüssigkeitszufuhr und vorausgegangenes Training gehören dokumentiert. Nach intensiven Belastungen würde ich mit einer Verlaufsmessung warten, bis die akute Trainingsreaktion abgeklungen ist.

Vorher festlegen, was bewertet wird

Die verwendete Uhr und der Messzeitpunkt sollten vor Beginn einer Maßnahme feststehen. Wer nachträglich unter vielen Uhren jene auswählt, die das schönste Ergebnis liefert, produziert Marketing, keine belastbare Erkenntnis.

Einzelwerte nicht jagen

Ein Laborwert sollte niemals in einen extrem niedrigen oder hohen Bereich gedrückt werden, nur weil eine Formel dafür Punkte vergibt. Zu vielen Biomarkern gehören optimale Bereiche. Mehr oder weniger ist außerhalb dieser Bereiche keineswegs besser.

Klinische Entwicklung mitmessen

Je nach Ausgangslage gehören Blutdruck, Taillenumfang, Nüchternglukose, HbA1c, Lipidprofil, Entzündungsmarker, Nieren- und Leberwerte, Kraft, Gehgeschwindigkeit, Ausdauer und subjektives Befinden dazu. Für körperliche Leistungsfähigkeit sind auch Ausdauertraining und Intervallmethoden differenziert zu betrachten.

Ein stabiler Verlauf über mehrere Jahre ist aussagekräftiger als der niedrigste jemals gemessene Einzelwert. Gerade bei biologischen Altersmodellen interessiert die Richtung unter standardisierten Bedingungen. Ein Rekordwert eignet sich für eine Rangliste. Für eine Therapieentscheidung ist er oft erstaunlich belanglos.

Mein Fazit

Biologische Altersuhren sind interessante Forschungsinstrumente. Sie können Risiken verdichten, Entwicklungen sichtbar machen und neue Zusammenhänge aufdecken. Ihr Nutzen endet dort, wo aus einer statistischen Schätzung eine angeblich gemessene Verjüngung wird.

Der Longevity World Cup zeigt dieses Problem in Reinform. Beliebig viele Messungen, der beste Wert gewinnt, verschiedene Labore, eine bekannte und gezielt optimierbare Formel sowie fehlende klinische Endpunkte: Das ist ein Wettbewerb im Biomarker-Tuning.

Der 20-jährige Teilnehmer mit einem errechneten Alter von sechs Monaten hat die Grenzen des Verfahrens unfreiwillig wunderbar sichtbar gemacht. Der Algorithmus beschreibt eine ungewöhnlich günstige Konstellation ausgewählter Laborwerte. Einen Säugling hat er daraus nicht gemacht.

Mein Rat fällt daher einfach aus: Nutzen Sie solche Werte als Hinweis, niemals als Urteil. Betrachten Sie den Menschen, seine Funktionen, seine Beschwerden und seine langfristige Entwicklung. Eine kleinere Zahl auf einem Laborbericht kann erfreulich sein. Gesundes Altern zeigt sich am Ende im Leben selbst.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Orwig J, Allen DT. Top biohackers share what they did to get hyper-healthy. Business Insider, 7. August 2026.
  2. Longevity World Cup. Ruleset. Abgerufen am 12. August 2026.
  3. Levine ME et al. An epigenetic biomarker of aging for lifespan and healthspan. Aging. 2018;10(4):573–591.
  4. Liu Z et al. A new aging measure captures morbidity and mortality risk across diverse subpopulations from NHANES IV. PLOS Medicine. 2018;15(12):e1002718.
  5. Heikkinen A et al. The Divergent Effects of Nicotinamide Riboside and High-Intensity Exercise Training on Skeletal Muscle Epigenetic Aging. Aging Cell. 2026;25(8):e70638.
  6. Belsky DW et al. DunedinPACE, a DNA methylation biomarker of the pace of aging. eLife. 2022;11:e73420.
  7. Moqri M et al. Validation of biomarkers of aging. Nature Medicine. 2024;30:360–372.
  8. Borrus DS et al. When to Trust Epigenetic Clocks: Avoiding False Positives in Aging Interventions. Preprint, 2024.

Der PWC-Test (Physical Working Capacity) ist eine weit verbreitete Methode zur Messung der aeroben Fitness eines Menschen.

Er liefert wichtige Informationen über die körperliche Leistungsfähigkeit und kann sowohl im medizinischen als auch im sportlichen Kontext verwendet werden.

In diesem Beitrag werde ich mich mit den PWC-Tests 130, 150 und 170 befassen, ihre Auswertungsmethoden erklären und die Formel aufzeigen, mit der ihr eure eigenen PWC-Werte berechnen könnt.

Der PWC-Test

Für den Test braucht man einen Fahrradergometer. Das Gerät wird so eingestellt, dass die erbrachte Leistung zu Beginn 25 bis 50 Watt beträgt. Alle 2 oder 3 Minuten    wird die Arbeitslast um 25 bis 50 Watt erhöht.

Die meisten Ergometer im Fitnessstudio kann man dazu getrost vergessen, da man an diesen Modellen keine Wattzahl mehr einstellen kann. Nur „Widerstände“, die aber drehzahlabhängig sind und keine konstante Wattzahl zulassen.

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Der Teilnehmer im PWC Test „arbeitet“ solange, bis er eine bestimmte Herzfrequenz (HFr) erreicht hat. Dieser angestrebte Pulswert richtet sich nach dem Alter und der eingeschätzten Leistungsfähigkeit.

Dabei wird oft die Grundregel „220 minus Alter“ angewendet, doch es gibt auch 3 Vorgehensweisen mit standardisierten Herzfrequenzen, die in der jeweiligen Belastungsstufe erreicht werden sollen: Puls 130, Puls 150 und Puls 170, entsprechend gibt es den PWC 130, den PWC 150 und den PWC 170.

Standardisierte Einstellungen erleichtern die Einschätzung und Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Daher gibt es solche Richtwerte auch für die zu steigernde Arbeitslast in jeder Leistungsstufe. Das WHO-Schema sieht eine Steigerung von 25 Watt alle 2 Minuten vor und das BAL-Schema eine Erhöhung von 50 Watt alle 2 Minuten vor.

Daneben wird auch das Hollmann-Venrath-Protokoll angewendet mit einer Leistungssteigerung von 40 Watt alle 3 Minuten mit einer Anfangslast von 50 Watt. Das gängigste Vorgehen besteht in einer Startbelastung von 50 Watt mit einer Steigerung von 25 Watt alle 3 Minuten.

Nachdem der Teilnehmer eine Leistungsstufe beendet hat, notiert der Therapeut / Trainer die Zeit, die gebraucht wurde, um den Zielpuls (130, 150, 170) zu erreichen beziehungsweise zu überschreiten. Der PWC-Wert ergibt sich dann aus der erzielten Leistung in der letzten und vorletzten Leistungsstufe (P1, P2) und der genauen Herzfrequenz nach deren Beendigung (HFr1, HFr2). Natürlich wird in die Berechnung auch das Körpergewicht mit einbezogen.

Auswertung

Die Formel zur Berechnung des PWC-Wertes lautet:

PWCX =  [P1 + (P2 – P1) X (HFrX – HFr1) / HFr2 – HFr1)] / Kgw

 

Es bedeuten:

P1: Leistung der vorletzten Leistungsstufe

P2: Leistung der letzten Leistungsstufe

HFr1: Herzfrequenz nach der vorletzten Leistungsstufe

HFr2: Herzfrequenz nach der letzten Leistungsstufe

X: 130, 150, 170

Kgw: Körpergewicht

 

Beispielberechnung

Angenommen, eine Person hat im PWC 170 in der vorletzten Belastungsstufe (P1) einen Wert 250 Watt und in der letzten Belastungsstufe (P2) einen Wert von 300 Watt. Der „vorletzte“ Puls betrug 167, der „letzte“ 175. Der Teilnehmer wog 85 kg. In die Formel eingesetzt ergibt sich:

PWC170 =  [250 + (300 – 250) X (170 – 167) / 175 – 167)] / Kgw

 

Weiter (Punktrechnung vor Strichrechnung, kennen wir!):

PWC170 = 250 + 50 X 3 / 8 = 250 + 18,75  = 268,75 und das ganze geteilt durchs Körpergewicht von 85 kg = 3,16

Dieser PWC 170 zeigt eine überragende Leistungsfähigkeit an. Bei einem Wert von knapp unter 3,0 wäre die Leistungs-Kapazität aber immerhin noch über dem Durchschnitt. Das ist beim PWC 130 schon bei einem Ergebnis von 2,0 der Fall.

Die geringste Leistungsfähigkeit besteht beim PWC 170 bei einem Wert von unter 1,5. Diese schwache Beurteilung folgt aus einem PWC 130 bei einem Wert von unter 0,5. Die durchschnittliche Leistungsfähigkeit, also beim PWC 150 beträgt rechnerisch zwischen 1,5 und 2,0.

Fazit

Der PWC-Test ist eine wertvolle Methode, um die aerobe Fitness eines Menschen zu bewerten. Durch die Durchführung eines PWC-Tests und die Berechnung des PWC-Werts erhalten Teilnehmer und Fachleute wichtige Informationen über die körperliche Leistungsfähigkeit. Die PWC-Tests 130, 150 und 170 bieten verschiedene Zielwerte, um individuelle Unterschiede in der Fitness besser erfassen zu können.

Die vorgestellte Formel ermöglicht es den Lesern, ihre eigenen PWC-Werte zu berechnen und ihre Fortschritte im Laufe der Zeit zu verfolgen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der PWC-Test nur eine von vielen Möglichkeiten ist, die kardiorespiratorische Fitness zu messen, und eine umfassende Beurteilung der Gesundheit und Fitness eines Individuums erfordert in der Regel weitere Untersuchungen.

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Dieser Beitrag wurde am 12.08.2023 erstellt.