,

Tabata Training: Das Original Protokoll einfach erklärt

Split-Bild zu Tabata Training, links erschöpfter Athlet am Ergometer, rechts fröhlicher Fitnesskurs, Original oder Fitness Märchen

Tabata Training: Was das Original wirklich ist und warum die meisten Workouts kein echtes Tabata sind

„Tabata“ klingt nach vier Minuten, etwas Musik, viel Schweiß und dem guten Gefühl, gerade ein wissenschaftlich geprüftes Hochleistungstraining absolviert zu haben. Genau an dieser Stelle beginnt das Problem. Denn was heute in Studios, Apps und auf YouTube als Tabata verkauft wird, hat mit dem Original oft nur noch den Namen gemeinsam. Das ist kein Detail für Pedanten, sondern der Unterschied zwischen einem exakt untersuchten Leistungsprotokoll und irgendeinem kurzen Zirkeltraining mit Stoppuhr.

Was ist Tabata Training?

Tabata Training ist eine spezielle Form des hochintensiven Intervalltrainings. Das Originalprotokoll wurde durch den japanischen Forscher Izumi Tabata bekannt und geht auf die Arbeit mit leistungsstarken Athleten zurück. In der grundlegenden Studie aus dem Jahr 1996 wurde kein beliebiges Fitnessprogramm untersucht, sondern ein exakt definiertes Intervalltraining auf dem Fahrradergometer. Die Belastung war extrem hoch und darauf ausgelegt, sowohl das aerobe als auch das anaerobe Energiesystem massiv zu fordern.

Das Original Tabata Protokoll: So sah es wirklich aus

Hier lohnt es sich, die Dinge einmal genau zu betrachten. Es existieren nämlich derart viele verschiedene Tabata Protokolle – und das kann nicht sein. Nach meinen Recherchen besteht das orginal Tabata Protokoll aus:

20 Sekunden maximaler Belastung
10 Sekunden Pause
7 bis 8 Durchgänge
bei etwa 170 Prozent der VO2max
mehrmals pro Woche über 6 Wochen auf dem Fahrradergometer.

Das ist der Kern. Nicht 20 Sekunden Training und 60 Sekunden Pause. Nicht sechs gemütliche Runden. Nicht „vier Minuten Hauptsache anstrengend“. In der Originalarbeit steht ausdrücklich, dass die Sportler sieben bis acht Sätze à 20 Sekunden bei etwa 170 Prozent der VO2max mit 10 Sekunden Pause absolvierten.

Wer wurde mit Tabata trainiert?

Auch hier lohnt sich Präzision. Das Tabata Protokoll entstand im Umfeld des japanischen Leistungssports, insbesondere bei Elite Eisschnellläufern. Izumi Tabata arbeitete mit dem Trainer Koichi Irisawa zusammen. Spätere Rückblicke von Tabata selbst machen deutlich, dass diese Methode aus dem Hochleistungstraining stammt und eben nicht als nettes Fitnessformat für den Durchschnittsbürger entwickelt wurde.

Das erklärt auch, warum das Protokoll so gnadenlos ist. Es wurde nicht für Menschen entwickelt, die zweimal pro Woche „etwas für die Fitness“ machen wollen. Es war ein Werkzeug für Athleten, die an der Leistungsgrenze trainieren.

Warum das Original so hart war

Der eigentliche Witz am Tabata Training ist nicht die Zeitstruktur allein, sondern die Intensität. Viele reden nur über die 20 Sekunden Belastung und die 10 Sekunden Pause. Genau genommen ist das aber nur die Verpackung. Der Inhalt ist die Trainingsintensität. Und die lag im Original bei etwa 170 Prozent der VO2max. Das ist kein Spaziergang mit Pulsuhr. Das ist ein Bereich, in dem die meisten Freizeitsportler sehr schnell merken würden, dass die Fitnesswelt gern mit Begriffen wirft, die sie selbst kaum sauber definiert.

Tabata selbst hat später ausdrücklich darauf hingewiesen, dass viele Menschen nur noch das Zeitschema übernehmen, aber den entscheidenden Faktor, also die Erschöpfung innerhalb von sieben bis acht Intervallen, völlig ignorieren. Genau deshalb sei nicht jedes 20 zu 10 Training automatisch Tabata Training.

Was zeigte die Originalstudie?

Die Studie von 1996 verglich ein moderates Ausdauertraining mit dem hochintensiven Intervalltraining. Das Ergebnis war bemerkenswert: Durch das Tabata Protokoll verbesserten sich sowohl die maximale Sauerstoffaufnahme als auch die anaerobe Kapazität deutlich. Die VO2max stieg, und die anaerobe Kapazität nahm um rund 28 Prozent zu. Das machte das Protokoll so interessant, weil es beide Energiesysteme zugleich stark beanspruchte.

Man muss allerdings auch nüchtern bleiben. Diese Daten stammen aus einem klar definierten Trainingskontext mit gut trainierten Probanden auf dem Ergometer. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass irgendein Vier Minuten Wohnzimmer Workout dieselben Effekte erzeugt.

Woher kommt die Verwirrung um 20 60 oder andere Varianten?

Die Verwirrung kommt daher, dass es im Bereich des hochintensiven Intervalltrainings mehrere Protokolle gab und gibt. In einer weiteren Arbeit von Tabata und Kollegen aus dem Jahr 1997 wurden zum Beispiel unterschiedliche hochintensive Intervallformen verglichen. Dort tauchen neben dem bekannten Protokoll auch andere Modelle auf, etwa 30 Sekunden Belastung mit deutlich längeren Pausen. Wer irgendwo 20 zu 60 gelesen hat, hat sehr wahrscheinlich verschiedene Intervallmethoden miteinander vermischt.

Mit anderen Worten: Es gibt viele Intervallformen. Aber nicht jede davon ist Tabata.

Warum die meisten heutigen Tabata Workouts kein echtes Tabata sind

Heute wird nahezu jedes Kurztraining mit 20 Sekunden Belastung und 10 Sekunden Pause als Tabata bezeichnet. Burpees, Kniebeugen, Mountain Climbers, Sprünge, Liegestütze, alles bunt gemischt, Hauptsache kurz und schweißtreibend. Das kann durchaus effektiv sein. Es kann Kondition, Stoffwechsel und Willenskraft fordern. Nur ist es eben oft kein Original Tabata. Tabata selbst schreibt in seiner späteren Übersichtsarbeit, dass für andere Übungsformen wie Laufen oder Bodyweight Übungen die Datenlage zu Stoffwechselprofil und Trainingswirkung deutlich dünner ist als für das klassische Fahrradprotokoll.

Das heißt nicht, dass solche Workouts schlecht sind. Man sollte sie nur korrekt benennen. Ein Zirkel im Tabata Stil ist eben etwas anderes, als das definierte Originalprotokoll.

Ist Tabata für Anfänger geeignet?

Hier ist eigentlich klar: das Original eher nicht. Jedenfalls nicht in der Form, in der es untersucht wurde. Wer untrainiert ist, Übergewicht hat, „orthopädische Probleme“ mitbringt oder sich schon bei zügigem Treppensteigen fragt, ob er noch lebt…. für den ist das Original Tabata sicher nichts! Dafür ist die Belastung viel zu hoch.

Für Anfänger können abgeschwächte Intervallformen sinnvoll sein. Dann sprechen wir aber besser von einem angepassten HIIT oder einem Intervalltraining im Tabata Stil. Das ist sprachlich sauberer und trainingsphysiologisch ehrlicher.

Tabata und HIIT: Ist das dasselbe?

Nein. Tabata ist eine spezielle Form von HIIT, aber nicht jedes HIIT ist Tabata. HIIT ist der Oberbegriff für hochintensives Intervalltraining mit ganz unterschiedlichen Belastungs und Pausenmodellen. Tabata ist eine klar definierte Unterform mit einer bestimmten Struktur und einer sehr hohen Intensität. Wer beides gleichsetzt, macht es sich zu einfach.

Für wen kann Tabata sinnvoll sein?

Sinnvoll ist Tabata vor allem für gut trainierte Sportler, die bereits eine solide Ausdauerbasis, Belastungsverträglichkeit und Bewegungskontrolle mitbringen. In diesem Rahmen kann das Protokoll ein sehr effizientes Werkzeug sein, um aerobe und anaerobe Leistungsfähigkeit zugleich zu verbessern. Tabata selbst beschreibt die Methode als eine der energetisch effektivsten Formen des hochintensiven Intervalltrainings, allerdings eben unter den Bedingungen, die das Original ausmachen.

Fazit

Tabata Training ist kein Synonym für „vier Minuten irgendwie hart“. Das echte Tabata Protokoll war ein hochintensives Trainingsmodell für japanische Elite Eisschnellläufer. Es bestand aus sieben bis acht Intervallen à 20 Sekunden bei etwa 170 Prozent der VO2max mit jeweils 10 Sekunden Pause. Die heute verbreiteten Tabata Workouts greifen oft nur das Zeitmuster auf, nicht aber die Intensität, den Kontext oder die wissenschaftliche Grundlage.

Man kann das ruhig deutlich sagen: Der Name hat Karriere gemacht, das Original blieb dabei oft auf der Strecke. Genau deshalb lohnt sich die saubere Unterscheidung. Wer echtes Tabata meint, sollte auch echtes Tabata sagen. Und wer einfach ein kurzes, knackiges Intervalltraining macht, trainiert vielleicht sinnvoll, aber eben nicht automatisch nach Tabata.

Übrigens: Wenn Dich solche Informationen interessieren, dann fordere unbedingt meinen kostenlosen Fitness-Newsletter dazu an:

Rene Gräber:

Ihre Hilfe für die Naturheilkunde und eine menschliche Medizin! Dieser Blog ist vollkommen unabhängig, überparteilich und kostenfrei (keine Paywall). Ich (René Gräber) investiere allerdings viel Zeit, Geld und Arbeit, um ihnen Beiträge jenseits des "Medizin-Mainstreams" anbieten zu können. Ich freue mich daher über jede Unterstützung! Helfen Sie bitte mit! Setzen Sie zum Beispiel einen Link zu diesem Beitrag oder unterstützen Sie diese Arbeit mit Geld. Für mehr Informationen klicken Sie bitte HIER.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert